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Kunst der Erinnerung – Erinnerung der Kunst. Der Aschrottbrunnen und andere Denkmalprojekte von Horst Hoheisel

January 27, 2015

27. Januar – 28. Juni 2015

Der Aschrottbrunnen vor dem Kasseler Rathaus gehört zu den international renommierten Denkmalprojekten des in Kassel lebenden Künstlers Horst Hoheisel. 2014 konnte für die Städtische Kunstsammlung ein Modell des Aschrottbrunnens und vorbereitende Zeichnungen, Dokumente und Fotografien erworben werden. Anlässlich der Erwerbung zeigt die Neue Galerie diese bedeutenden Arbeiten der Denkmalkunst gemeinsam mit weiteren Projekten des Künstlers. Diese Denkmalprojekte basieren auf der Idee des Gegen-Denkmals und fordern den Betrachter zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auf. Darüber hinaus werden Zeichnungen aus seiner Serie „LebensZeich-n-en / Wörter – Leben“ präsentiert.

Hoheisel Aschrottbrunnen

Als offene, nicht heilende Wunde ist der „Aschrottbrunnen“ von Horst Hoheisel heute ein Ort der Erinnerung inmitten der Stadt. 1908 stiftete der jüdische Unternehmer Sigmund Aschrott zum Neubau des Rathauses in Kassel einen Brunnen mit einer 12 Meter hohen Pyramidenskulptur. Am 9. April 1939 demolierten nationalsozialistische Aktivisten diesen „Judenbrunnen“. Hoheisel baute die Pyramidenskulptur 1987 nach und versenkte sie während der documenta 8 als verlorene Form spiegelbildlich in den Rathausplatz. So wurde die Pyramide zum Trichter, in den das Brunnenwasser geräuschvoll hinabstürzt. Horst Hoheisel betont die Bedeutung des Betrachters: „An dem Ort, wo einmal etwas war, kann ich den Verlust nur noch durch die Leere spürbar machen. Das eigentliche Denkmal ist der Passant, der auf dem Brunnen steht und darüber nachdenkt, weshalb hier etwas verlorenging.”

AschrottAir350

Horst Hoheisel (*1944 in Posen, Polen) hat gemeinsam mit Andreas Knitz (*1963 in Ravensburg) den klassischen Denkmalbegriff grundlegend hinterfragt und mit anderen Künstlern seiner Generation das radikale Konzept des Gegen-Denkmals (Counter-Monument) etabliert. In Anbetracht der deutschen Vergangenheit widmeten sich die Künstler, zu denen auch Norbert Radermacher sowie Jochen und Esther Gerz zählen, der Problematik, wie den Opfern des Nationalsozialismus überhaupt angemessen gedacht werden könne. Sie einte die Ablehnung von monumentalen Denkmälern, die an nationalsozialistische Ästhetik erinnern. Stattdessen inszenierten sie die Abwesenheit beziehungsweise das „Verschwinden“ von Denkmälern. Von zentraler Bedeutung ist in diesen Denkmalprojekten seit den 1980er Jahren die Erinnerungsarbeit des Betrachters.

Der HR berichtet: Die Kunst des Gedenkens, 28.01.2015
Die HNA berichtet: Horst Hoheisel in der Neuen Galerie, 14.03.2015

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